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Ein Beitrag von

Alena Boucher

Alena Boucher Portrait
© Timo Oberdorfer
Mehr über die Autorin ↓

Warum genau dieses Thema?

Ich habe ein großes Interesse an mythischen Geschichten, Welten und allem was dazu gehört. Besonders Runen habe ich immer schon spannend gefunden und als wir das Thema Typographie bekommen hatten, wollte ich mich genau mit dieser noch mehr beschäftigen.

Fun Fact über dich?

Passend zum Thema Runen: geheiratet habe ich im Mittelaltergewand auf der Burgruine Aggstein, und anstatt Eheringe haben wir uns für Ketten entschieden mit altem nordischen Design und eingravierten Runen.
ᛒᛁᚺᚨᛒᛖ ᛞᛁᚾ ᚷᚨᛜ

Wie findet man dich online?

www.leniproduction.com/design

Runen

Das mystische Alphabet

Runen – wir verbinden mit ihnen Wikinger, mystische Geschichten, Steintafeln und nordische Märchen. Auch wenn Runen in unserer heutigen Gesellschaft bekannt sind und in vielen Medien benutzt werden, gibt es im Verhältnis wenig Aufzeichnungen und Überlieferungen über die alte Schrift der Germanen.

Aber vielleicht stärkt dies nur die Faszination mit Runen in uns?

Holzstückchen mit Runen darauf
© Carla Santiago, Unsplash.com

Was sind Runen?

Der Ursprung der Runen entstand als germanische Schrift der alten Germanen. Sie wurden hauptsächlich in Skandinavien benutzt, die meisten Fundstücke wurden in Schweden entdeckt.

Es sind nur ca. 7000 Schriftwerke bekannt, die „echte“ Runen darstellen. Das älteste Fundstück ist von ca. 150–160 nach Christus, und dabei handelt es sich um den Kamm von Vimose, einem Kamm, in dem die runischen Zeichen „harja“ eingraviert sind. Es gibt theoretisch eine Runentafel, die Fibel von Meldorf, aus dem 1. Jahrhundert n. Chr., jedoch ist bei dieser nicht hundertprozentig bewiesen, dass es sich bei ihren Inschriften um Runen handelt. Es könnte sich hierbei auch nur um eine lateinische Schrift in Keilschriftstil handeln.

Runen sind nicht nur ein Alphabet, sondern jede Rune stellt auch eine bestimmte Bezeichnung dar (basierend auf den Namen der Runenzeichen). Die bekanntesten Varianten der Runenschrift sind das ältere Futhark und das jüngere Futhark (auch skandinavisches Futhark genannt).

Im Unterschied zu den lateinischen Schriften war die Lese- und Schreibrichtung der Runen in früheren Zeiten variabel – es konnte sowohl von rechts als auch von links geschrieben werden. Erst im Lauf der Zeit entwickelte sich die Schreibrichtung von links nach rechts.

Die Bezeichnung "Rune"

Heutzutage kennt jeder die Bezeichnung „Runen“, jedoch bekamen diese den Namen erst im 18. Jahrhundert. Passend zu den germanischen Schriftzeichen wurden sie nach dem altnordischen Wort rún und dem althochdeutschen rūna benannt, welche Begriffe für „Geheimnis“, „Mystisch“ und „Zauberspruch“ sind.

 

ᚱᛆᛁᚦᛁᛆᚢᚱᛁᚴᛧᚽᛁᚿᚦᚢᚱᛘᚢᚦᛁᛌᛐᛁᛚᛁᛧ

ᚠᛚᚢᛐᚿᛆᛌᛐᚱᚭᚿᛐᚢᚽᚱᛆᛁᚦᛘᛆᚱᛆᛧᛌᛁᛐᛁᛧᚿᚢᚴᛆᚱᚢᛧᚭ

ᚴᚢᛐᛆᛌᛁᚿᚢᛘᛌᚴᛁᛆᛚᛐᛁᚢᛓᚠᛆᛐᛚᛆᚦᛧᛌᚴᛆᛐᛁᛘᛆᚱᛁᚴᛆ

 

Es herrschte Theoderich
der Kühngemute
der Fürst der Seekrieger,
über den Strand
des Hreidmeers.
Jetzt sitzt er gerüstet
auf seinem gotischen Ross,
den Schild auf der Schulter,
der Held der Märinge.

Inschrift auf dem Runenstein von Rö

Runenstein von Rök
© Damir K., pexels.com

Runenschriftarten

Älteres Futhark

Das ältere Futhark ist die älteste bekannte Runenschrift und benannt nach den ersten Runenzeichen ᚠᚢᚦᚨᚱᚲ in dieser Schrift.

Sie besteht aus 24 Runenzeichen, die nicht nur jeweils einen Buchstaben darstellen, sondern auch alle einzigartige Bedeutungen haben. Jede Rune hatte einen Namen, der die Aussprache darstellen soll und mit dem jeweiligen Buchstaben beginnt.

Zum Beispiel bedeutet die erste Rune „Fehu“ mit dem Lautwert /f/ – was sich vom altnordischen fé bzw. altenglischen feoh für Vieh, Besitz, Wohlstand, Geld ableitet. Somit steht diese Rune für Wohlstand und Reichtum. Der urgermanische Runenname selbst wurde rekonstruiert basierend auf diesen Wörtern.

Die Schreibweise der Runen schaut teilweise ähnlich den lateinischen oder griechischen Buchstaben aus. Was an dieser „Sprache“ anders ist als bei anderen Schriften, die auf diesem Alphabet beruhen, ist, dass die Reihenfolge der Zeichen anders ist als im Alphabet. Diese andere Reihung der Buchstaben gab, wie oben bereits erwähnt, dieser Art der Runenschrift ihren Namen.Jede Rune stellt auch einen einzigen Laut der Sprache dar. Dazu steht Latein im Gegensatz: Zum Beispiel werden die Buchstaben V und W im Lateinischen als V dargestellt und I/J als I.

Die Runen des älteren Futharks lassen sich in drei Gruppen einteilen, die sogenannten ættir. Jede dieser Gruppen stellt eine „Familie“ von Runenzeichen dar und ist benannt nach der ersten Rune in dieser Gruppe: Fjár ætt, Hagals ætt und Tys ætt. Der Grund für diese Einteilung ist nicht ganz bekannt, jedoch wird angenommen, dass diese Gruppierung eine wichtige symbolische Bedeutung hat.

Die Runen des älteren Futhark
Familie Rune Lautwert Name Bedeutung
Fjár ætt f Fehu Vieh, Besitz, Geld, Vermögen
  u Uruz Auerochse
  þ (engl. th) Thurisaz Riese
  a Ansuz Ase (nordische Bezeichnung der germanischen Götter)
  r Raidho Ritt, reiten
  k Kenaz Kien (Harz der Kiefer), Kahn
  g Gebo Gabe
  w Wunjo Wonne
Hagals ætt h Hagalaz Hagel
  n Naudiz Not
  i Isa Eis
  j Jera Jahr, Ernte
  ei Ihwa Eibe
  p Perthro Obstbaum
  z, R Elhaz Elch
  s Sowilo Sonne
Tys ætt t Tiwaz Tyr (Himmels- und Kriegsgott)
  b Berkano Birke
  e Ehwaz Pferd
  m Mannaz Mann, Mensch
  l Laguz Wasser, See
  ng Ingwaz Feuer, Ing (Gott), Yngvi (mytischer Stammvater)
  d Dagaz Tag
  O Omega Grundstück, Erbbesitz, Stammgut

Jüngeres Futhark

In den Zeiten der Wikinger wurde das jüngere Futhark verwendet. Der Großteil der heute gefundenen Schriftwerke zeigt diese Variante der Runenschrift. Diese Runenschrift besteht nur aus 16 Buchstaben und verbindet somit im Gegensatz zum älteren Futhark mehrere Laute in einem Zeichen.Dies führte zu großer Verwirrung im Bereich der Runologie, da man anfangs davon ausging, dass das jüngere Futhark zuerst gekommen sein musste, da es unlogisch klang, eine Schrift zu verkleinern, anstatt neue Zeichen hinzuzufügen.

Während des Mittelalters wurden die Runen des jüngeren Futhark angepasst. Mit dem Auftreten von Latein wurden die Runen nicht vertrieben – es wurden weiterhin Texte in der altnordischen Sprache mit Runen verfasst. Im Laufe der Zeit wurden die Runen immer mehr an die lateinische Schrift angepasst, und das Bedürfnis nach Runen für einzelne oder zusätzliche Buchstaben führte zu Erweiterungen des Runenalphabets.

Um die Buchstaben zu unterscheiden, die sich eine Rune geteilt hatten, wurden dann, statt neue Buchstaben zu „erfinden“, Punkte den Schriftzeichen hinzugefügt. Zum Beispiel wurde bei dem Buchstaben (für i) ein Punkt in die Mitte gezeichnet, um so ein e zu erhalten: .

 

Neben den beiden Varianten von Futhark gibt es noch etliche weitere Runenarten, wie zum Beispiel das angelsächsische Futhorc. Diese Runen sind Abwandlungen des älteren Futharks und bringen oft neue Schriftzeichen mit sich und/oder verringern die Anzahl der bereits existierenden Zeichen.

 

"Die Sprache ist von großer Schönheit und verdeutlicht zugleich, wie bedeutsam eine sich wiederholende Wortwahl sein kann.
Heute sind es nicht mehr Gedichte, sondern Liedtexte, die die Runeninschriften als Ausdruck kultureller Identität abgelöst haben."
Henrik Williams, Runologie Professor

Ein Bildelement voller Runen
© Alena Boucher

Runen mit Magie

Wie bereits erwähnt, trägt jede Rune eine Bedeutung mit sich, ebenso werden ihr magische Eigenschaften zugesprochen. Auch in der heutigen Zeit spielen Runen eine große Rolle in den Themen Fantasy, Esoterik und Magie.

Im Norden gibt es auch gefundene Werke von Zaubersprüchen in Runenschrift. Es gab Runen für unterschiedliche Verwendungen, wie zum Beispiel Seerunen zum Schutz von Schiffen.

 

Tageshoroskop mit Runen

Täglich zieht man entweder eine Karte aus einem Kartendeck oder wirft Steine/Holzstückchen mit Runen darauf auf den Tisch und zieht blind eine. Basierend auf der gezogenen Rune erhält man ein Tages-„Horoskop“, nach dem man leben kann.

Ebenso gibt es das Auswerfen der Runensteine auf ein weißes Tuch und das zufällige Auswählen von drei Steinen und deren Deutung.

 

Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft

Bei einer weitere Legemethode werden drei Runenkarten bzw. Runensteine gezogen und vor sich in einer Reihe aufgelegt.

Die erste Rune links steht für die Vergangenheit für Einflüsse, Erfahrungen oder Ereignisse, die bereits geschehen sind und die aktuelle Situation geprägt haben.

Die zweite Rune wird in der Mitte platziert und symbolisiert die Gegenwart. Sie zeigt, was im Moment wichtig ist, welche Energien wirken oder welches Thema gerade im Vordergrund steht.

Die dritte Rune wird rechts ausgelegt und steht für die Zukunft. Sie gibt Hinweise darauf, wie sich die Situation weiterentwickeln kann oder welche Tendenzen und Möglichkeiten vor der Person liegen.

 

Runen in Fantasy

In vielen Büchern, Spielen und Filmen, die in Fantasy-Welten spielen, werden heutzutage Runen oder Abwandlungen von Runen verwendet. Manche, wie Tolkien, benutzen Runenschriften als Basis für ihre eigenen Alphabete. Er verwendet zum Beispiel eine leicht veränderte Version des angelsächsischen Runenalphabetes. Die Runenschrift ist besonders für ihre Verbindung zu Mystik und Magie geeignet für Werke des Fantasy-Genres.

Runen auf Holzplättchen, die auf einem Walboden liegen
© Sam Hancock, Pexel.com
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