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Ein Beitrag von

Michaela Kopf

Beitrag Michaela Kopf
Michaela Kopf Portrait
© Bettina Krall
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Warum genau dieses Thema?

Dieses Thema interessiert mich, weil Typografie unseren Alltag ständig begleitet, wir ihre Wirkung aber oft erst bemerken, wenn etwas schwer lesbar ist. Besonders spannend finde ich, wie unterschiedlich dieselbe Schrift in Print- und digitalen Medien wirken kann.

Fun Fact über dich?

Mein größter Widerspruch? Einerseits liebe ich Konzerte und Festivals, andererseits habe ich ein echtes „Oma-Hobby“ für mich entdeckt: das Häkeln. Seit diesem Jahr bekommt jede meiner Freundinnen zum Geburtstag eine handgemachte Unikat-Handtasche von mir.

Der Unterschied

zwischen Print- und Webtypografie

Ein A bleibt ein A – sollte man meinen.
Doch sobald Typografie vom Papier auf den Bildschirm wechselt, gelten plötzlich
andere Regeln. Was im Druck elegant wirkt, kann am Monitor unleserlich werden.
Und was auf dem Smartphone perfekt funktioniert, würde auf einem Plakat verloren
gehen. Warum ist das so?

Print und digitale Medien
© Chat GPT: KI-generierte Illustartion, inspiriert von Adobe. Die Bedeutung von Typografie im Design.

Zwei Welten, zwei Realitäten

Der entscheidende Unterschied liegt nicht in den Buchstaben selbst, sondern in der Art, wie wir sie wahrnehmen. Web-User sitzen meist etwa eine Armlänge vom Bildschirm entfernt. Bei Printprodukten hingegen variiert der Betrachtungsabstnd stark. Ein Plakat muss aus mehreren Metern Entfernung funktionieren, ein Buch lesen wir aus etwa 30 Zentimetern. Diese unterschiedlichen Sehdistanzen beeinflussen die Wahl der Typografie grundlegend.
Hinzu kommt ein technischer Aspekt: Gedruckte Buchstaben bestehen aus Tinte auf Papier – eine physische, unveränderliche Form. Digitale Schriften hingegen werden aus Pixeln zusammengesetzt und müssen auf unzähligen verschiedenen Bildschirmgrößen, Auflösungen und Geräten funktionieren.

Print-Schriften

Im Printbereich verfügen Designer:innen über die volle Kontrolle. Jedes Detail lässt sich präzise steuern: Laufweite, Kerning, Mikrotypografie – alles sitzt exakt da, wo es hingehört. Das gedruckte Ergebnis ist berechenbar und bleibt unverändert.

Traditionelle Druckschriften wurden über Jahrhunderte für genau diesen Zweck optimiert. Viele klassische Schriftarten existieren in Varianten für unterschiedliche Schriftgrößen – sogenannte optische Größen. Was bei 72 Punkt funktioniert, ist nicht zwingend ideal für 10 Punkt Fließtext.
Die Standardgröße für Fließtext im Druck liegt typischerweise zwischen 10 und 12 Punkt. Zeitungen und Zeitschriften arbeiten oft sogar darunter, um möglichst viel Information auf begrenztem Raum unterzubringen. Bei der Gestaltung spielen das Bruttound Nettoformat eine zentrale Rolle – sie bestimmen, wie Zeilen, Spalten und andere Elemente platziert werden. Hinzu kommt die Farbverwaltung: Im Druck arbeitet man in der Regel mit dem CMYK-Farbraum, der auf die Eigenschaften von Druckfarben abgestimmt ist.

Ein großer Vorteil: Printmedien bleiben greifbar und haptisch erfahrbar. Viele Menschen schätzen genau diese Beständigkeit – ein gedrucktes Magazin fühlt sich einfach anders an als ein PDF auf dem Tablet.

Web-Schriften

Bei der Webtypografie gelten andere Prioritäten. Hier stehen Lesbarkeit, Kontrast und technische Performance im Vordergrund. Eine visuell beeindruckende Website, die ewig zum Laden braucht, wird von Nutzer: innen schnell verlassen. Designer:innen müssen also einen Spagat schaffen: attraktiv gestalten und gleichzeitig schnelle Ladezeiten gewährleisten.

Grafik Webfont
©David Gilbertson

Webfonts vs. websichere Schriften: Was ist der Unterschied?

Websichere Schriften sind Schriftarten, die bereits auf allen Geräten und in allen Browsern installiert sind. Diese Schriften zählen zu den gängigsten und haben den Vorteil, dass sie sofort laden, weil sie nicht erst heruntergeladen werden müssen. Der Nachteil ist, dass sie wenig individuell sind und kaum Gestaltungsfreiheit bieten.

Webfonts hingegen stehen nicht standardmäßig zur Verfügung, sondern müssen in der Regel heruntergeladen und eingebettet werden. Der Begriff „Webfonts“ bezieht sich auf alle Schriften, die keine websicheren Schriften sind. Sie sind oft kommerziell und unabhängig designte Schriftarten. Diese bieten mehr Vielfalt und werden ständig erweitert – allerdings auf Kosten längerer Ladezeiten. Moderne Techniken wie Variable Fonts helfen, diesen Nachteil zu minimieren.

Für Fließtext am Bildschirm empfiehlt sich heute eine Schriftgröße zwischen 15 und 25 Pixeln – deutlich größer als die 10 bis 12 Punkt im Print. Der Grund: Bildschirme haben eine niedrigere Auflösung als Druckerzeugnisse, und wir lesen digital oft unter ungünstigeren Bedingungen.

 

 

Die Plattform Kissmetrics nennt in den „7 Deadly Web Design Sins“ typische Fehler im Webdesign, die die Lesbarkeit stark beeinträchtigen. Dazu gehören vor allem zu kleine Schriften, zu geringe Kontraste sowie ein zu enger Zeilenabstand. Auch zu lange Textzeilen erschweren das Lesen und mindern den Nutzungskomfort. Diese Punkte zeigen, wie entscheidend eine gut gestaltete Typografie für eine benutzerfreundliche Website ist.

Welche Schriftart sollte man nun auf dem Papier und welche am Bildschirm einsetzen?

Die alte Faustregel „Serifen für Print, Sans-Serif für Web“ stimmt so nicht mehr. Moderne hochauflösende Bildschirme zeigen auch Serifenschriften ohne Problem an. Trotzdem gibt es Unterschiede: Schriften, die für den Druck entwickelt wurden, haben oft sehr feine Linien und Details, die am Bildschirm verschwimmen oder verschwinden können. Umgekehrt wirken manche Web-optimierten Schriften im Druck zu plump oder technisch.

Vergleich Serifen und Sans-Serif
© Michaela Kopf

Empfehlenswerte Schriften

Für Web

  • Open Sans: Eine serifenlose Schrift, die speziell für den Einsatz im Web und auf Mobilgeräten entwickelt wurde. Dank ihrer klaren Formen bleibt sie auch im Druck gut lesbar.
  • Public Type Sans: Eine Open Source-Schriftart und eine der beliebtesten im Internet.
  • Raleway:Die Schrift ist klar lesbar gestaltet, auf vielen Websites beliebt und außerdem in 18 Stilen erhältlich.
  • Roboto: Diese Schrift ist nicht nur gut lesbar, sondern auch die am häufigsten heruntergeadene Schriftart bei Google Fonts. Sie wirkt modern und ist gut lesbar.
  • Arial: Eine für ihre gute Lesbarkeit auf Bildschirmen bekannte Schrift, die in verschiedenen Stilen und Gewichten erhältlich ist und häufig im Webdesign eingesetzt wird.

Für Print

  • Baskerville: Eine weitere serifenbetonte Schriftart, die für ihre Lesbarkeit und Eleganz bekannt ist. Sie verfügt über feine Details und sanfte Übergänge zwischen den Buchstaben, was sie zu einer ausgezeichneten Wahl für gedruckte Texte macht, insbesondere für Bücher, Zeitschriften und editoriale Layouts.
  • PT Serif: Eine elegante Serifenschrift, die gut mit PT Sans harmoniert.
  • Times New Roman: Eine sehr gängige und professionelle Schrift, ursprünglich für Zeitungen entworfen.

Für beide Welten

  • Montserrat: Diese Schrift entwickelte sich für den Druck und sowohl auch für Web zu einer der beliebtesten Schriftarten. Diese Schrift ist aufgrund ihres klaren Designs sowohl gut lesbar als auch eine der attraktivsten Schriftarten.
  • Georgia: Die ursprünglich für den Bildschirme entworfen Schrift, funktioniert aber auch für Druck sehr gut.
  • Helvetica: Eine klassische serifenlose Schriftart, die für ihre schlichte Eleganz und ihre breite Verwendbarkeit bekannt ist. Sie zeichnet sich durch klare Linien und eine ausgewogene Proportion aus, was sie zu einer beliebten Wahl für verschiedene Druckmaterialien wie Broschüren, Magazine und Plakate macht. Wird aber auch gerne für Web verwendet.
Typografische Werkzeuge für unterschiedliche Medien
© Chat GPT: KI-generierte Illustartion

Fazit

Printdesign bedeutet Kontrolle und Präzision. Webdesign bedeutet Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Wer für beide Welten gestaltet, muss umdenken können: Was auf Papier funktioniert, scheitert möglicherweise am Bildschirm – und umgekehrt.
Die gute Nachricht: Mit dem richtigen Verständnis für die technischen Unterschiede und einem Gespür für Lesbarkeit lässt sich in beiden Medien hervorragende Typografie gestalten. Man muss nur wissen, welche Regeln wo gelten.

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