Wer sich mit der Lesbarkeit von Texten auseinandersetzt, kommt als Designer am Begriff Mikrotypografie nicht vorbei. Gut gestaltete Texte befolgen wichtige Regeln, deren Einhaltung die Lesbarkeit deutlich verbessert.
Die Mikrotypografie umfasst die Feinheiten des Schriftsatzes. Dazu zählen unter anderem die Elemente Buchstabe, Wort, Zeile und Zeilenabstand, auf die im Folgenden näher eingegangen wird.
Das Wort
Größere Textmengen bestehen in der Regel aus einer Mischung von Kleinbuchstaben und Großbuchstaben bei einzelnen Satz- und Wortanfängen. Der Grund: Kleinbuchstaben fördern die Lesbarkeit des Textes, während ausschließlich in Großbuchstaben gesetzte Texte schwerer lesbar sind und mehr Platz benötigen. Kleinbuchstaben bilden einen charakteristischen Wortumriss, Großbuchstaben hingegen erzeugen lediglich lange Rechtecke.
Damit das Schriftbild nicht zu sehr vom Inhalt ablenkt, sollte es in seiner Gesamtheit als möglichst einheitlicher Grauton wahrgenommen werden. Dieser Effekt lässt sich durch Anpassung der Buchstaben- und Wortabstände begünstigen. Dazu sollten Schriftgestalter im Idealfall auf gut ausgebaute Ober- und Unterlängen der Buchstaben achten, die ein leserliches Schriftbild fördern.
Die Zeile
Auch die richtige Zeilenlänge ist relevant für die Lesbarkeit. Die optimale Zeilenlänge hängt von einer Reihe von Faktoren ab und muss an das jeweilige Medium angepasst werden. Ob eine Zeile gut lesbar ist, hängt auch von den Wortabständen ab. Im Zweifelsfall sollten Zeilen mit zu kleinen Wortabständen solchen mit zu großen vorgezogen werden.
Generell gilt: Zu kurze und zu lange Zeilen ermüden den Leser und beeinträchtigen die Lesbarkeit. Auch die Länge der Wörter innerhalb einer Zeile beeinflusst die Lesbarkeit. Da je nach Sprache die durchschnittliche Wortlänge variiert, gelten unterschiedliche Empfehlungen. Bei deutschsprachigen Texten empfiehlt sich eine Zeilenlänge von 60 bis 70 Zeichen pro Zeile.
Der Zeilenabstand
Die optimale Einstellung des Zeilenabstands beeinflusst maßgeblich den Grauwert eines Schriftsatzes und trägt somit deutlich zur Lesbarkeit bei. Ein allgemeingültiger Zeilenabstand kann nicht bestimmt werden, da er stark von der Gestaltung der Ober- und Unterlängen der gewählten Schrift abhängt.
Als Faustregel geben Textprogramme oft einen Zeilenabstand von 120 % der Schriftgröße vor. Dieser muss jedoch zugunsten der optimalen Lesbarkeit fein abgestimmt werden. Beispielsweise benötigen breitere Zeilen und Schriftarten mit großen Buchstabeninnenräumen mehr Zeilenabstand.
Anmerkung zur Wahl der Schriftart
Alle gängigen und bekannten Schriftarten können bei sachgemäßem Einsatz ein leserliches Schriftbild erzeugen. Allerdings löst jede Schriftart aufgrund ihrer individuellen Formensprache unterschiedliche Assoziationen beim Leser aus. Es liegt somit in der Hand des Typografen, eine Schrift zu wählen, die die gewünschte Atmosphäre bestmöglich vermittelt.
Weiterführende Literatur:
Das Detail in der Typografie – Eine kurz gefasste, prägnante Erörterung jener Fragen, die sich mit der Leserlichkeit von Texten befassen; Éditions B42, Paris, und Jost Hochuli, St.Gallen; editions-b42.com