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Ein Beitrag von

Mona Sigmund

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Mona Sigmund Portrait
© Bettina Krall
Mehr über die Autorin ↓

Warum genau dieses Thema?

Design wird viel zu oft nur auf Ästhetik reduziert. Man sieht etwas und denkt: „Wow, das ist schön.“ Mich beschäftigt aber, dass Gestaltung viel mehr kann als schön aussehen. Design beeinflusst, wie und ob Informationen für Menschen zugänglich sind. Ich wünsche viel Spaß beim Lesen!

Fun Fact über dich?

Ich habe eine große Faszination für Dinosaurier. Und an alle fellow Dino-Fans da draußen: Das PC-Game "Ark" kann ich sehr empfehlen 😋.

Wie findet man dich online?

Meine Website ist derzeit noch nicht online, aber du kannst mich gerne auf meiner E-Mail mona.sigmund@gmail.com erreichen!

Von der Pflicht zur Chance:

Barrierefreie Typografie

Die Anzeige im Zug bei grellem Licht, das Gate-Schild am Flughafen aus 20 Metern Entfernung, die Website auf dem Smartphone in der Sonne – barrierefreie Typografie betrifft uns alle, jeden Tag. Und seit Mitte 2025 ist es für uns Designer*innen gesetzliche Pflicht. Höchste Zeit, genauer hinzuschauen.

"A"s in verschiedenen Schriftarten
© Mona Sigmund

Warum barrierefreie Typografie wichtig ist

Seit Mitte 2025 verpflichtet das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) Unternehmen dazu, digitale Produkte und Informationen barrierefrei zu gestalten. Damit wird Typografie vom „Nice-to-have“ zum grundlegenden Qualitätskriterium. Zwar gibt es keine festen Vorgaben zur Schriftwahl, doch es ist klar: Lesbarkeit steht über Ästhetik. Das ist entscheidend, denn Typografie ist ein wesentliches Mittel der Kommunikation. Sie strukturiert, leitet, erklärt, warnt und informiert. Wenn dies nicht für alle Menschen funktioniert, wird Gestaltung zur Barriere statt zur Unterstützung.

Was macht Schrift leserlich?

Für eine gute Lesbarkeit lassen sich zwei Begriffe unterscheiden:

  • Leserlichkeit (Legibility): Erkennbarkeit einzelner Zeichen
  • Lesbarkeit (Readability): Erfassen und Verstehen von Text im Zusammenhang

Die DIN 1450 „Leserlichkeit von Schrift“ definiert seit 2013 Standards für typografische Informationsvermittlung, damit Texte auch unter erschwerten Bedingungen gut lesbar bleiben. Daraus lassen sich folgende fünf zentrale Gestaltungsprinzipien ableiten.

Unterscheidbarkeit der Zeichen

Einzelne Zeichen sollten klar voneinander zu unterscheiden sein. Problematisch sind sich stark ähnelnde Zeichen, z. B. 1, I und l oder O und 0. Schriften wie Atkinson Hyperlegible Next gestalten diese Zeichen bewusst unterschiedlich.

Offene Innenformen

Buchstaben wie a, c, e oder s sollten klare und gut erkennbare Innenformen haben. Je größer und offener sie gestaltet sind, desto leichter lassen sich Zeichen voneinander unterscheiden.

Ausreichende Buchstabenlaufweite

Stehen Buchstaben zu dicht, können Kombinationen wie rn schnell wie m wirken. Etwas mehr Abstand unterstützt die Lesbarkeit.

Schriftwirkung bei Unschärfe
© Mona Sigmund

Ausgewogener Strichstärkenunterschied

Manche Schriften haben dicke Linien und feine Linien, z. B. in Serifen. Zu feine Linien können auf Bildschirmen oder aus der Entfernung kaum sichtbar sein. Ein gleichmäßigerer Strich sorgt für bessere Erkennung.

Gut erkennbare Proportionen

Eine ausreichend große x-Höhe und klar erkennbare Ober- und Unterlängen helfen, Buchstaben schnell zu unterscheiden.

Digitale Anwendungen

Im digitalen Raum geht barrierefreie Typografie einen Schritt weiter: Neben der Gestaltung der Schrift spielt auch ihre Darstellung eine Rolle, etwa auf unterschiedlichen Displays, in verschiedenen Schriftgrößen oder bei wechselnden Lichtbedingungen. Für Websites und Apps werden deshalb zusätzlich die WCAG (Web Content Accessibility Guidelines) berücksichtigt, die unter anderem Mindestkontraste und skalierbare Schriftgrößen definieren.

Welche Schriftarten sollte man verwenden?

Wer sich mit barrierefreier Typografie beschäftigt, stößt schnell auf speziell entwickelte Schriften: Lexend, Atkinson Hyperlegible oder OpenDyslexic. Diese Schriften wurden gestaltet, um das Lesen bei Dyslexie oder eingeschränkter Sehschärfe zu erleichtern. Klingt nach der perfekten Lösung, oder? Nicht ganz. Zum einen können sie teuer oder lizenzpflichtig sein, zum anderen reagiert jede Sehbehinderung unterschiedlich. Eine Schrift, die für eine Person sehr gut funktioniert, kann für eine andere schwer lesbar sein. Außerdem spielt Vertrautheit eine große Rolle, deshalb werden gängige Schriftbilder oft schneller erkannt.

Darum wird im Allgemeinen empfohlen, auf gut lesbare Standardschriften zu setzen, wie beispielsweise:

  • Digital: Arial, Helvetica, Verdana, Calibri, Tahoma, Century Gothic
  • Print: Times New Roman, Georgia

Exkurs öffentliche Leitsysteme

Viele Prinzipien barrierefreier Typografie stammen übrigens aus öffentlichen Leitsystemen. Ein Paradebeispiel: die Frutiger von Adrian Frutiger, entwickelt für die Beschilderung am Flughafen Paris Charles de Gaulle. Ihre klaren Formen und hohe Erkennbarkeit aus der Distanz machten sie zum Maßstab für Leserlichkeit.

Flughafenbeschilderung mit Frutiger
© FreeImages.com, Thinkstock

Praxis-Checkliste

  • Zeilenabstand: circa 140 bis 150 % der Schriftgröße
  • Linksbündiger Flattersatz statt Blocksatz
  • Zeilenlänge: etwa 60 bis 80 Zeichen
  • Zwischenüberschriften bei längeren Textabschnitten
  • Sonderformatierungen, wie etwa Kursiv, Versalien oder Kapitälchen, sparsam einsetzen
  • Kontrast prüfen mit Online-Tools, z. B. WebAIM Contrast Checker
  • Figma-Plugin „Stark“ zur Simulation von Sehbeeinträchtigungen

Wir übernehmen Verantwortung

Barrierefreie Typografie ist kein Sonderfall und keine Einschränkung der kreativen Freiheit, sondern eine Grundvoraussetzung für gute Gestaltung. Als Designer*innen haben wir die Möglichkeit, Informationen für alle zugänglich zu machen. Das Ziel sollte immer sein, niemanden auszuschließen, auch nicht unbewusst. Gutes Design übernimmt Verantwortung. ■

Weiterführende Literatur:

Jan Filek: Read/ability – Typografie und Lesbarkeit, 2013

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